Wir sprechen mit Katrin Aerne, 42, aus Ebnat-Kappel über ihren Weg zur selbstständigen Unternehmerin, die Herausforderungen des Alltags, die Liebe zur Natur und ihre Visionen für die Zukunft. Katrin ist Meisterfloristin, Raumgestalterin und Mutter von zwei Kindern – eine Frau, die es versteht, Familie, Kreativität und Business zu verbinden.
Katrin, erzähl uns ein wenig über dich und deinen beruflichen Weg.
Ich bin verheiratet mit Reto und Mutter von Andrin (8) und Linda (6). Wir leben in einem Haus in Ebnat-Kappel, meinem Heimatdorf. Seit meiner Jugend spiele ich Volleyball, fahre gern Ski und fotografiere besonders gerne mit meinem Makroobjektiv. Gestaltung und Handwerk sind meine Leidenschaft.
Gestaltung und Handwerk sind meine Leidenschaft.
– Katrin Aerne
Nach meiner Ausbildung zur Floristin sammelte ich zunächst Berufserfahrung und finanzierte mir damit eine Reise nach Vancouver, Kanada. Nach «Wanderjahren» in verschiedenen Branchen kehrte ich 2005 zur Floristik zurück. Zehn Jahre war ich Geschäftsführerin in einem Blumengeschäft, bevor ich 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Heute bin ich spezialisiert auf Blumendekorationen für Hochzeiten, Events, Trauerfloristik und Raumgestaltung.
Was hat dich dazu inspiriert, dein eigenes Business zu gründen?
Nach zehn Jahren im gleichen Betrieb und meiner Weiterbildung zur Meisterfloristin wurde mir klar, dass ich dort keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr hatte. Der Wunsch nach einem eigenen Business wuchs. Mit der Meisterausbildung hatte ich die Basis geschaffen – und meine Begeisterung für Raumgestaltung hat mich zusätzlich motiviert. Deshalb habe ich mich später auch noch zur Home Stagerin und Home Stylistin weitergebildet.
Das klingt nach einer grossen Herausforderung.
Der Weg zur Meisterfloristin war definitiv eine grosse Herausforderung. Die Ausbildung war berufsbegleitend und dauerte zwei Jahre. Besonders anspruchsvoll war die Abschlussprüfung, für die ich fünf florale Kunstwerke und einen Messestand konzipierte. Ohne die Unterstützung von Familie, Freunden und lokalen Handwerker/innen hätte ich das nicht geschafft. Und es hat sich definitiv gelohnt!
Wie würdest du deinen Gestaltungsstil beschreiben?
In der Floristik arbeite ich sehr natürlich, schlicht und mit wenig Klimbim. Die Natur bietet uns so viele spannende Materialien, da braucht es nicht viel mehr. Auch in der Raumgestaltung setze ich auf klare Linien, unaufdringliche Farben und dezente Muster. Ich arbeite nicht nach Trends, viel mehr setze ich auf die Grundlagen der Gestaltungs- und der Farbenlehre. Diese Prinzipien sind zeitlos und effektiv.
Ich arbeite nicht nach Trends, viel mehr setze ich auf die Grundlagen der Gestaltungs- und der Farbenlehre.
– Katrin Aerne
Wie empfindest du die Rolle von Frauen im Unternehmertum?
Ich bewundere Frauen in Führungspositionen und denke oft: «Wow, die hat was drauf, die kann was!» Dass ich selbst Unternehmerin bin, ist mir manchmal gar nicht bewusst.
… ein Wunsch hierzu für die Zukunft?
Dass es irgendwann selbstverständlich wird, Frauen als Unternehmerinnen zu sehen.
Bist du in deiner Karriere auf Vorurteile gestossen?
Interessanterweise war es in meinem Bereich oft andersherum: Männer waren in den Bereichen Floristik und Home Styling in der Unterzahl und wurden manchmal schräg angeschaut. Aber in meinen Weiterbildungen habe ich festgestellt, dass gerade diese Vielfalt bereichernd ist.
Was inspiriert dich im Alltag?
Die Natur ist meine grösste Inspirationsquelle – vor allem die kleinen Details, die viele übersehen. Auch der Austausch mit Kolleg/innen und Besuche in meinen Lieblingsblumengeschäften inspirieren mich. Dort sehe ich oft andere Herangehensweisen und es wird mir bewusst, wie ein einzelnes Produkt oder Material auf viele verschiedene Arten verarbeitet werden kann. Zudem habe ich einige ausgewählte Magazine abonniert, die meinem Stil entsprechen. Inspiration findet sich überall, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht. Aber die beste Inspiration für mich: Austausch mit meinen «Branchen-Gspändli»!
Inspiration findet sich überall, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.
– Katrin Aerne
Auf welches Projekt oder welchen Erfolg bist du besonders stolz?
Neben meinem Meistertitel bin ich besonders stolz auf die Neugestaltung der Kinderzimmer für meine Kinder. Sie durften selbst ihre Tapeten auswählen, und daraus entstanden ein Dino- und ein Meerjungfrauenzimmer. Es war ein tolles Projekt, das uns allen viel Freude bereitet hat!
Welche Herausforderungen beschäftigen dich derzeit?
Derzeit arbeite ich an meiner neuen Website. Dafür stehen Fotoshootings an, und ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche Blumendekorationen ich gestalten soll – die Auswahl ist grenzenlos! Und natürlich bleibt immer die Herausforderung, Familie und Business in Einklang zu bringen.
Wie gelingt dir Letzteres?
Gute Organisation, Planung und Vorbereitung sind für mich das A und O. Und mit Kindern muss man immer auch flexibel bleiben.
Gute Organisation, Planung und Vorbereitung sind für mich das A und O.
– Katrin Aerne
Was bedeutet dir das Toggenburg?
Das Toggenburg ist meine Heimat. Hier gibt es in vielen Bereichen noch eine gewisse «heile Welt», die ich sehr schätze. Und ich liebe den Anblick der Churfirsten, für mich die schönsten Berge der Welt – zumindest, solange ich nicht dort wandern muss!
Wandern ist also nichts für dich?
Eher nicht. Ich hatte als Kind einen recht langen Schulweg, den ich 4-mal am Tag zu Fuss rauf und runter gehen musste. Das ist vielleicht der Grund dafür. Klar ist es schön auf einem Berggipfel zu stehen, den kann man jedoch auch gut mit der Seilbahn erreichen!
Warum ist dir die Förderung von Frauen im Toggenburg wichtig?
Ich denke, es gibt hier so viele Frauen mit grossem Potenzial und guten Ideen. Das Toggenburg darf in seiner Denkweise ruhig noch etwas offener werden. Netzwerke wie Frieda & Idda leisten hier einen wichtigen Beitrag. Ich unterstütze den Verein, weil ich genau so etwas gesucht habe, da gerade das Netzwerk sehr wichtig ist. Der Austausch unter uns Frauen, bei dem es nicht «nur» um die Rolle als Mutter oder Ehefrau geht, sondern auch um die Rolle als Unternehmerin, Politikerin oder engagierte Person. Unser Tun und Wirken stehen im Vordergrund. Und meine Angebote werden mehrheitlich von Frauen gebucht. Da passt Frieda & Idda sehr gut!
Ich denke, es gibt hier so viele Frauen mit grossem Potenzial und guten Ideen. Das Toggenburg darf in seiner Denkweise ruhig noch etwas offener werden.
– Katrin Aerne
Welchen Rat würdest du Frauen geben, die ihre eigenen Projekte umsetzen möchten?
Schreibt eure Ideen auf, erstellt einen Ideenordner oder ein Visionboard. Sammelt Flyer, Visitenkarten und Webseiten, die euch ansprechen. Lasst euch inspirieren, sammelt die vielen Eindrücke und gebt euren Ideen Zeit zu wachsen. Gute Dinge brauchen manchmal Geduld.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Mein Plan ist es, mein Business voranzutreiben mit dem Ziel, dass mein Business stetig wächst und sich mein Angebot im Tal und darüber hinaus noch bekannter wird. Zudem träume ich davon, mein Himmelreich, wie ich meine Werkstatt nenne, zu erweitern. Privat sparen wir als Familie für eine Reise nach Neuseeland – ein lang gehegter Traum!
Vielen Dank, Katrin!
Text: Nadja Brändle
Bild: Silke kleine Kalvelage