Musik begleitet LauraAntonella seit ihrer Kindheit. Heute steht sie mit eigenen Songs auf der Bühne – unter anderem an unserer GV von Frieda & Idda. Wir freuen uns riesig auf ihren Beitrag an unserer Versammlung und haben uns vorab mit ihr zum Gespräch getroffen. Im Interview spricht sie über frühes Lampenfieber, das Schreiben von Songs und über ihren Künstlerinnennamen.
Laura, Musik begleitet dich schon seit deiner Kindheit. Wann hast du gemerkt, dass sie mehr für dich ist als nur ein Hobby?
Gemerkt habe ich es eigentlich sehr früh, aber ich wollte es lange nicht wahrhaben. Gerade wegen diesem Lampenfieber. Konzerte beim Gitarrenlehrer waren für mich eher Horror als Freude. Ich habe mir das schlicht nicht zugetraut. Irgendwie ganz lustig, weil heute würde man das kaum glauben!
Erst in der Schule, etwa in der vierten oder fünften Klasse, als ich bei einem Musical mitmachen konnte und dort auch einen Soloauftritt hatte, hat sich etwas verändert. Da habe ich gemerkt, dass mich die Bühne irgendwie doch packt. Aber es war mehr ein Traum – nicht etwas, das ich mir real vorstellen konnte.
Ich habe mir das schlicht nicht zugetraut.
– LauraAntonella, Musikerin
Ich habe gelesen, dass dein Götti dich früher immer «Antonella» nannte. Jetzt ist das ein Teil von deinem Künstlerinnennamen.
Der Name kommt tatsächlich von meinem Götti. Er fand, wenn schon ein italienischer Name, dann richtig – also Antonella! Und er hat mich mega oft Antonella statt Laura genannt. Daraus ist dann später mein Künstlerinnenname entstanden – eigentlich auch einfach ein bisschen aus Spass. Laura alleine wäre etwas langweilig in diesem Business.
Und was bedeutet dir dieser Name heute?
Es hat schon noch viel mit meinem Götti zu tun. Aber mittlerweile gibt es in Bezug auf den Namen so viele neue, schöne und grosse Erinnerungen. Es ist noch viel mehr dazugekommen. Der Name wird für mich wie immer wertvoller – er wächst quasi mit.
Du schreibst heute deine eigenen Songs. Warum keine Covers mehr?
Mittlerweile spielen wir nur noch eigene Songs. Am Anfang hatten wir noch Covers, weil uns schlicht Material gefehlt hat für Live-Auftritte! Ich habe mich aber anfangs auch ein bisschen gegen das Singen von Covers gesträubt. Heute weiss ich aber, dass die grössten Künstlerinnen und Künstler noch irgendwelche Covers singen oder gesungen haben. Ganz zu schweigen von all den Newcomern, die überall aus der Erde spriessen wie frischer Spargel!
Man muss am Anfang darauf aufbauen und dem Ganzen Zeit geben. Seit Erscheinung der EP haben wir schon wieder fünf neue Songs released. Und es sind noch mehr in der Pipeline! Wir haben nun also genug eigenes Material und die Covers aus unseren Auftritten gestrichen. Mega cool!
Wie entsteht ein eigener Song, wie gehst du an diese «Aufgabe» heran?
Vieles entsteht ganz spontan. Ich kann gar nicht genau sagen, wie das angefangen hat oder wie dieser Prozess funktioniert. Oft sind es einfach Situationen im Alltag oder Gespräche, in denen mir plötzlich etwas in den Sinn kommt – eine Textzeile, eine Melodie, irgendetwas Kleines, das mich dann sofort packt. In solchen Momenten weiss ich: Da muss ich mich hinsetzen und daraus entsteht dann ein Song.
Manchmal sind es ganz banale Auslöser: ein Gespräch, eine Situation, es kann sogar ein Duft sein oder etwas, was ich sehe.
Es gibt aber auch Songs, die bewusster entstehen – wenn ich etwas verarbeiten oder festhalten möchte. Dann steht eher ein Thema im Vordergrund als eine konkrete Zeile.
Du singst auf Englisch und auf Deutsch. Warum beides?
Früher habe ich ausschliesslich auf Englisch geschrieben. Über den Grund kann ich heute auch lachen: Ich hatte irgendwie Angst, dass jemand meine Texte versteht. Im Nachhinein eine recht amüsante Überlegung. Mit der Zeit ist dann Deutsch dazugekommen. Heute passiert es einfach – entweder kommt die Idee auf Englisch oder auf Deutsch, und dann bleibt es auch so. Für mich stimmt beides.
Ich hatte irgendwie Angst, dass jemand meine Texte versteht.
– LauraAntonella, Musikerin
Dein neuer Song «Survivor» ist vor kurzer Zeit erschienen – worum geht es darin?
Der Song ist auch aus einer konkreten Situation heraus entstanden. Wenn man erzählt, dass man Musik macht und auftritt, reagieren viele extrem positiv. Es kommt oft dieses «Wow, wie machst du das?» oder auch die Annahme, dass man schon fast berühmt ist. Viele sagen dann auch, wie mutig das sei, alles auf eine Karte zu setzen, und wie sehr sie das bewundern.
Viele sagen dann auch, wie mutig das sei, alles auf eine Karte zu setzen, und wie sehr sie das bewundern.
– LauraAntonella, Musikerin
Das ist mega schön – aber es ist eben nur die eine Seite. Es gibt auch viele Momente, die frustrierend sind. Absagen, Zweifel, Phasen, in denen man denkt: Ich höre auf, es hat eh keinen Wert. Es ist nicht immer alles cool und lässig. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich dann fast ein schlechtes Gewissen bekomme gegenüber all den Leuten, die mich unterstützen.
Gerade bei solchen Situationen – wenn du dich zum Beispiel mehrmals für ein Festival bewirbst und immer wieder eine Absage bekommst – kommt schnell dieser Gedanke: Jetzt reicht’s, ich mache das nicht mehr. Und im nächsten Moment sagst du dir wieder, dass du es trotzdem weiter versuchen musst. Diese innere Spannung ist manchmal schwierig auszuhalten.
Genau daraus ist «Survivor» entstanden. Aus diesem Wechsel zwischen Hoch und Tief. Es gibt Momente, in denen alles stimmt und du denkst: Das läuft, das ist genau mein Ding. Und gefühlt kurz darauf kommt eine Absage – und du zweifelst wieder komplett an allem. Der Song bringt genau diese beiden Seiten zusammen.
Und wenn solche Absagen kommen, wie gehst du damit um? Was hilft dir?
Das ist unterschiedlich. Manchmal trifft es mich ziemlich. Dann hilft mir vor allem mein Umfeld – mein Partner und die Band bauen mich auf und erinnern mich daran, was schon alles da ist.
Oft kommen auch gleich neue Ideen oder Möglichkeiten. Und manchmal folgt auf eine Absage kurz darauf wieder eine Zusage – das relativiert vieles.
Nicht alles klappt sofort – und manchmal ist es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt.
– LauraAntonella, Musikerin
Ich versuche mir dann auch selber zu sagen, dass ich das erst seit rund zwei Jahren so mache und dass es Zeit braucht. Nicht alles klappt sofort – und manchmal ist es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt.
Neben der Musik arbeitest du im Marketing. Wie bringst du das zusammen?
Im Moment habe ich zwei sehr flexible Jobs. Ich kann meine Zeit gut einteilen, und meine Vorgesetzten sind sehr unkompliziert. Das macht einen riesigen Unterschied!
Früher war das deutlich schwieriger. Da war viel Ehrgeiz nötig. Heute ist die Musik klar Priorität – und gleichzeitig hilft mir mein Marketingwissen auch in der Musik. Es ist manchmal auch lustig, wenn drei so komplett unterschiedliche Welten aufeinandertreffen: Käse, Schnaps und Musik! Halt komplett andere Anspruchsgruppen. Aber teilweise kann man an einem Ort etwas testen und es auf den anderen Ort adaptieren.
Du spielst am Freitag an unserer GV. Worauf dürfen sich die Besucherinnen freuen?
Auf sehr emotionale, reduzierte Musik. Wir spielen im Duo mit Gitarrist Doran – ganz bewusst aufs Wesentliche konzentriert, nur Stimme und Gitarre. Es wird viele ehrliche, persönliche und eher ruhige Songs geben, mit viel Gefühl und Tiefe.
Was braucht es, damit mehr Frauen mit ihrer Kunst sichtbar werden?
Es braucht weniger Einfluss von aussen – und mehr gegenseitige Unterstützung. Wenn Frauen sehen, dass andere ihren Weg gehen, hilft das. Aber genauso wichtig ist der Austausch und dass man sich gegenseitig etwas gönnt. Gerade in der Musikbranche ist der Konkurrenzdruck hoch – dabei würde ein Miteinander viel mehr bringen.
Wenn Frauen sehen, dass andere ihren Weg gehen, hilft das. Aber genauso wichtig ist der Austausch und dass man sich gegenseitig etwas gönnt.
– LauraAntonella, Musikerin
Zum Abschluss: Was wünschst du dir für deine musikalische Zukunft?
Ich möchte nicht mehr zu 100 Prozent arbeiten müssen. Ganz von der Musik zu leben, muss gar nicht sein. Aber ich würde gerne reduzieren können – sodass die Musik mehr Raum bekommt.
Vielen Dank, Laura!
Text: Nadja Brändle
Bild: zVg LauraAntonella
